Learning by doing

Durch aktive Teilnahme werden Nachwuchssegler auf der Rennyacht „Utsider“ an den Hochsee-Regattasport herangeführt.

Man sollte meinen, die Verantwortung wiegt schwer für die Teilnehmer des Jugendsegelprojekts „Utsider“, denn die Crew muss sich der Herausforderung stellen, den Großteil der Aufgaben des Unternehmens in Eigenregie zu bewältigen. Das gilt sowohl für die Jobs an Bord als auch für die Tätigkeiten an Land. Doch die Begeisterung steht den jungen Seglern ins Gesicht geschrieben.

Rennyacht Utsider

 

An Aufgaben zu wachsen, Verantwortung zu übernehmen und sich gleichzeitig auszuprobieren sind die Prämissen. Auch wenn die Köpfe hinter dem Projekt die „Schoten“ zu jeder Zeit in der Hand halten.

Die zurzeit sieben Crewmitglieder der 45 Fuß (13,7 Meter) langen „Utsider“ haben ihre feste Position an und unter Deck. Sie fungieren als Navigator, Taktiker, Pitmann, Mastmann oder Trimmer. Die Mannschaft formiert sich aus Schülern, Studenten und Lehrlingen zwischen 17 und 30 Jahren aus Rostock, Hamburg, Frankfurt am Main, Göttingen und von der Insel Rügen. Voraussetzung für das Anheuern ist eine Mitgliedschaft beim Yachteigner, dem Warnemünder Segel-Club (WSC).

Lust, mitzumachen?

Projektteilnehmer Sven Wegner beschreibt den Zeitaufwand für die Crew: „In der letzten Saison haben wir an rund 45 Tagen trainiert. Weitere 30 Tage haben wir auf Regatten verbracht. Die Trainings finden meist an Wochenenden statt, sodass auch die auswärtigen Teamkollegen anreisen können.“

Insgesamt legte die Mannschaft rund 3317 Seemeilen mit der „Utsider“ zurück. Da nicht immer alle an jedem Termin Zeit haben, sind neue Mitglieder gerne gesehen, sollten jedoch erste Erfahrungen im Regattasegeln mitbringen.

Learning by doing: das "Utsider"-Team.

 

Verantwortung auch an Land

Mit dem Gang an Land hört die Verantwortlichkeit des jungen Teams nicht auf. Die Bereiche Organisation, Bootspflege, Pressearbeit und Mannschaftsverpflegung zählen ebenso zu den Aufgabenfeldern, die die angehenden Profisegler beherrschen sollten.

Für das Training des Regattanachwuchses hat der WSC ein Schiff gefunden, von dem andere Vereine nur träumen können: die Hightechrennyacht „Utsider“, die dem Projekt auch als Namenspatin dient. Das 14 Meter lange Boot aus Kohlefaser wurde im Jahr 2000 von Elliot Marine in Neuseeland gebaut. Es bestritt zunächst Offshore-Regatten im Pazifischen Ozean, unter anderem „Melbourne to Osaka“.

2005 holte der Kieler Unternehmer und Admirals-Cup-Gewinner Tilmar Hansen die Rennyacht unter dem Namen ,,Outsider“ in den Ostseeraum und segelte sie bis 2007. Mit der Auflage, sie für die Jugendarbeit zu nutzen, übereignete Hansen das Boot im Frühjahr 2008 schließlich dem WSC. Und aus der „Outsider“ wurde die „Utsider“.

Sponsoren gesucht!

Finanziell könnte sich der WSC die Unterhaltung der Yacht gar nicht leisten. Den Großteil der Kosten tragen Sponsoren. Sie werden durch den Frankfurter Unternehmer und WSC-Mitglied Thomas Ebert akquiriert, der das in Deutschland einzigartige Projekt initiiert hat, um der drohenden Überalterung der Hochsee-Regattaszene entgegenzuwirken.

Erfahrungen hat das Jugendteam des WSC seit Beginn des Projekts inzwischen zuhauf sammeln können, und die Bilanz kann sich sehen lassen. Das Team ersegelte sich vordere Ränge bei der Nordseewoche, bei Rund Bornholm, bei der Warnemünder Woche, beim Baltic Sprint Cup und beim hanseboot Cup der Flensburger Fördewoche, um nur einige Wettfahrten aufzuzählen.

Von den sportlichen Erfolgen abgesehen, fördert jede Teilnahme an einer Regatta das Zusammenspiel als Team und ist ein unschätzbarer Zugewinn an Erfahrung. Zuletzt wurde die „Utsider“ als bestes Jugendsegelprojekt in Hamburg mit dem Jugendpreis der German Offshore Owners Association ausgezeichnet.

In diesem Jahr ist es etwas ruhiger um das Projekt geworden. Die „Utsider“ lag den Großteil der Segelsaison in der Werft und wurde nach zweijährigem Dauereinsatz komplett überholt.

Crewmitglieder Sven Wegner (l.) und Jona Sponsel.

 

Die Saison 2011 soll zum Crewaufbau und zum Training genutzt werden. „Es gibt viele neue Teammitglieder, und die müssen sich erst einmal mit dem Boot vertraut machen. Wenn das geschehen ist, kann an die Teilnahme an Regatten gedacht werden“, beschreibt Teilnehmer Sven Wegner die Situation. (gl)

Dabei sein?
Die „Utsider“-Crew sucht Verstärkung. Wer Regattaerfahrung mitbringt und motiviert ist, sich dem Jugendprojekt anzuschließen, kann über www.utsider.de Kontakt mit der Mannschaft aufnehmen.