Flottillensegeln

Wind und Wasser im Gespräch mit Ralf Schulte. Der Lübecker war bereits mehrfach mit einer gecharterten Yacht unterwegs. Im letzten Jahr entschloss er sich, gemeinsam mit seiner Frau das Segeln in einer Flottille auszuprobieren.

Ralf Schulte

 

Herr Schulte, können Sie kurz erläutern, was Flottillensegeln bedeutet und wie es abläuft?

Beim Flottillensegeln gehört man zwar einer Gruppe von Schiffen an, ist jedoch tagsüber allein und nicht immer in der Gruppe unterwegs. Dadurch hat man die Freiheit loszusegeln, wann man möchte. Am Abend gab es immer ein Treffen, bei dem wir den nächsten Tag geplant haben. Es wurde der Hafen bestimmt, den wir anlaufen würden, und auch nach Restaurants gesucht, in denen wir nach dem Anlegen einkehren konnten.

In jedem Hafen waren Liegeplätze reserviert und das Flottenbegleitschiff hat uns vor Ort unterstützt, sodass alles reibungslos ablief. Nach dem Anlegen haben wir uns oft mit den anderen Seglern aus der Flotte getroffen und zusammengesessen. Es waren Leute aus vielen verschiedenen Nationen.

Aus welchem Grund haben Sie sich für das Segeln in einer Flottille entschieden?

Meine Frau und ich wollten gern einmal im Mittelmeer segeln, aber wir waren uns nicht sicher, ob wir uns einen Törn in diesem Gewässer zutrauen. So sind wir auf die Flottille gekommen. Das ist einfach sicherer. Der Vercharterer stellte uns das Revier vor und beriet uns über ein geeignetes Boot. Zuerst hatten wir Zweifel, ob Segeln in einer Gruppe mit fremden Menschen das Richtige wäre, aber am Ende hat es uns sehr gut gefallen, denn die Gemeinschaft war sehr nett.

 

So ein Törn muss natürlich richtig geplant und gut vorbereitet werden. Wonach wurden das Revier, der Vercharterer und die Größe der Yacht ausgewählt?

Das Revier hat uns der Vercharterer vorgeschlagen. Wir konnten zwischen Kroatien und der Türkei wählen und haben uns dann wegen des Wetters für die Türkei entschieden. Außerdem bekamen wir für den Törn das Boot, das wir haben wollten.

Das Charterunternehmen habe ich auf einer Wassersportmesse kennengelernt. Er war dort mit einem Stand vertreten und ich konnte mich so persönlich über seine Leistungen informieren. Sein guter Ruf war unter anderem für unsere Entscheidung ausschlaggebend.

Die Größe des zu charternden Bootes richtete sich nach unseren Bedürfnissen. Wir hätten auch ein größeres Boot chartern können. Den Törn im Mittelmeer verbrachten wir zu zweit auf einem 32 Fuß (etwa 9,8 Meter) langen Boot. Dort war ausreichend Platz für uns.

Konnten Sie die Törnplanung mitgestalten?

Nein, der Törn stand von vornherein fest. Wir wussten, welche Häfen wir anlaufen würden. Der nächste Tag wurde ja immer am Vorabend besprochen. Wir hatten jedoch einen freien Tag mit einer Übernachtung, an dem wir in einem beliebigen Hafen festmachen konnten.

 

Wie hat Ihnen der Törn insgesamt gefallen?

Sehr gut. Wir hatten viele tolle Erlebnisse mit den anderen Seglern aus der Flottille. Besonders gern erinnern wir uns an die Abende, an denen wir alle zusammengesessen und uns unterhalten haben.

Über das Wetter konnten wir uns auch nicht beklagen, im Gegenteil. Es gab lediglich einmal eine brenzlige Situation, als ein plötzlicher, sehr starker Fallwind aus den Bergen aufkam und wir die Segel zügig reffen mussten. Wir haben das jedoch gut gemeistert.

Sie haben offenbar viele positive Erinnerungen an Ihren Mittelmeertörn. Würden Sie sich wieder für das Flottillensegeln entscheiden?

Meine Frau und ich hätten dieses Jahr im Mai gern wieder etwas gechartert, aber wir wollten dann doch nicht fliegen und sind deshalb hiergeblieben, um mit dem eigenen Boot in der Ostsee zu segeln. Aber das Flottillensegeln macht viel Spaß und man ist in netter Gesellschaft.

Das Gespräch führte Tina Ludwig