Blau im Spiegel

Mit seinen Arbeiten hebt der Kieler Fotograf Peter Lühr den fließenden Übergang von der fotografischen Abbildung der Realität zur künstlerischen Sicht der Dinge hervor. Wasser, Himmel und Spiegelungen spielen dabei eine zentrale Rolle.


 

Fotografieren – das kann doch jeder. Seit Handys weniger zum Telefonieren genutzt werden als zum Fotografieren, knipst nahezu jeder alles und überall. Wenn man die Arbeiten von Peter Lühr betrachtet, wird jedoch schnell klar, dass die Kunst nicht im Draufhalten und Abdrücken liegt. Vielmehr ist der Blick für das Motiv und die Perspektive entscheidend.

Genau genommen ist die Fotografie die Weiterentwicklung der Malerei. Denn die Malerei war zunächst jahrhundertelang die einzige Möglichkeit, die Realität optisch abzubilden. Erst später entstanden daraus verschiedene künstlerische Stilrichtungen. Als sich im 19. Jahrhundert die Fotografie entwickelte, war auch in diesem Metier die Abbildung der Realität das Ziel.

Bei Belichtungszeiten von anfangs mehreren Stunden waren zunächst eher technische Herausforderungen zu meistern, bevor sich die Erfinder Gedanken darüber machten, was durch Fotografie in künstlerischer Hinsicht alles möglich ist.

Trotz der vermeintlichen Parallelen zwischen Malerei und Fotografie ist es heute nicht selbstverständlich, Maler und Fotografen in einem Atemzug als bildende Künstler zu bezeichnen. Peter Lühr beweist mit seinen Werken, dass Fotografen dennoch auch bildende Künstler sein können.

Künstler Peter Lühr.

 

Vom Hobby zum Beruf

Peter Lühr, Jahrgang 1967, begann mit dem Fotografieren im Alter von 14 Jahren. Quasi von der Pike auf lernte er, Filme selbst zu entwickeln und Vergrößerungen im eigenen Fotolabor anzufertigen. Während des Praktikums bei einem Werbefotografen wurde ihm klar, dass die Fotografie mehr als ein Hobby für ihn war. Peter Lühr entschied sich für eine fundierte Ausbildung, die ihn in die Studios renommierter Fotografen führte und zu einem großen norddeutschen Versandhaus, wo er mehrere Jahre im hauseigenen Fotostudio wirkte.

Vor sechs Jahren beschloss der gebürtige Kieler, eigene Wege zu gehen, und startete seine Karriere als selbstständiger Fotograf. Aus dem Hobby wurde sein Beruf – doch die reine Auftragsfotografie reichte Peter Lühr bald nicht mehr aus: „Der Wunsch, auch künstlerisch zu arbeiten, entstand eigentlich erst nach meiner Berufswahl. Experimentelle Fotos und das Ausprobieren neuer Sichtweisen kommen oftmals zu kurz.”

Die Tatsache, dass er sein Leben am Wasser verbringt und auch viele seiner Auftragsarbeiten sich auf Motive am oder auf dem Wasser beziehen, führte dazu, dass Peter Lühr sich bei seinen künstlerischen Arbeiten ebenfalls mit dem Meer beschäftigt.

 

Foto oder nicht?

Aktueller Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit ist das Thema Spiegelungen. „Ich finde es spannend, wenn die Betrachter sich vom Bild einfangen lassen und es mit dem ersten Blick nicht recht einordnen können“, erzählt Lühr. Durch das Abbilden von Spiegelungen ohne das jeweilige Originalobjekt erhält man Fotos, die aufgrund ihrer fließenden Linien auch Gemälde oder Grafiken sein könnten. Diese entstehen durch den Blick für das Motiv und nicht am Computer, denn – so der Künstler: „Der Computer bietet zwar viele Möglichkeiten, Dinge deutlicher herauszuarbeiten. Entscheidend ist jedoch, ein Motiv erst einmal wahrzunehmen und einzufangen. Diesen Schritt kann kein Computer leisten – und das ist auch gut so!“

Für Peter Lühr war die künstlerische Arbeit anfangs eine Art „Ausgleichssport“ zur täglichen Arbeit. Heute ist es mehr. Hinzu kommt, dass er inzwischen Erfahrungen aus der künstlerischen Fotografie auch bei Auftragsarbeiten anwendet. „Aus meinem Hobby wurde mein Beruf. Aus meinem Beruf entstand Kunst. Inzwischen beeinflussen sich alle drei Bereiche gegenseitig“, freut sich der Fotograf. (ps)