Mineraloge

In welcher chemischen Umgebung entstehen Minerale? Und durch welche Prozesse? Das sind Fragen, denen Mineralogen wie Dr. Sven Petersen vom IFM-GEOMAR nachgehen.

Mineralogie zählt zum Gebiet der Geowissenschaften. Sie befasst sich mit der Entstehung, den Eigenschaften und der Verwendung von Mineralien und gilt als Materialwissenschaft unter den Geowissenschaften.

 

Der Mineraloge Sven Petersen erforscht im Rahmen seiner Tätigkeit beim IFM-GEOMAR aber auch die Struktur und Zusammensetzung des Meeresbodens, die Möglichkeiten der Rohstoffgewinnung aus dem Meer und den Bestand von toxischen Metallen in der marinen Umwelt. Dass er in seinem Beruf mal etwas mit der Meeresforschung zu tun haben würde, wusste er schon früh. „Das ist sozusagen genetisch bedingt, denn mein Vater war Seemann. Und ich habe schon als Kind gerne Steine gesammelt“, schmunzelt er.

Sven Petersen (M.) sichtet Bodenproben.

 

Nach dem Abitur entschloss er sich also für ein Studium der Mineralogie in Kiel. Nach dem Vordiplom wechselte er für das Diplom zur Hochschule Aachen. Dort kam der gebürtige Eckernförder als Diplomand in die Arbeitsgruppe „Rohstoffverarbeitung im Meer“ und nahm an einer Forschungsfahrt in den Südpazifik teil.

Nach Abschluss des Diploms zog es Sven Petersen für zwei Jahre nach Ottawa zum Geological Survey of Canada. Zurück in Deutschland, folgte er seinem deutschen Professor an die Bergakademie Freiberg, der dort eine Professorenstelle angenommen hatte und sein Doktorvater wurde. Seit 2004 lebt Sven Petersen wieder an der Ostsee und arbeitet beim Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR in Kiel.

Arbeitsplatz mitten im Meer

Viele Menschen beneiden ihn wegen seiner Expeditionen in fremde Länder. Sven Petersen winkt ab. „Man sieht in der Regel eher wenig von Land und Leuten. Wir arbeiten meist mitten im Meer, sehr selten auch mal in Küstennähe, da sind Besichtigungstouren einfach nicht drin“, erklärt er.

An seinem Arbeitsplatz beim IFM-Geomar kümmert er sich um die wissenschaftliche Dokumentation und fährt ab und zu aufs Meer, um Untersuchungen durchzuführen. Zweimal im Jahr sind Forschungsfahrten über einen Zeitraum von drei bis sechs Wochen angesetzt. Dann verlässt der Mineraloge die heimische Ostsee und reist in den Mittel- und Südatlantik oder in den Pazifik. Tonga, die Fidschi-Inseln und die Azoren sind nur einige der exotischen Ziele des Wissenschaftlers.

Der Tauchroboter ROV Kiel 6000.

 

Moderne Technik ist unerlässlich

Um den Meeresboden der Tiefsee zu erforschen, sind verschiedene Techniken erforderlich. Die Taucharbeiten in großer Tiefe werden von Robotern und torpedoähnlichen Unterwasserfahrzeugen übernommen, mithilfe derer der Meeresboden kartiert und zum Beispiel physikalische Werte gemessen werden.

Sven Petersen ist jedes Mal von den vielseitigen Meeresbewohnern begeistert, die die Crew an Deck über die Unterwasserkameras zu sehen bekommt.

Im letzten Jahr war der Mineraloge an der Suche nach den Wrackteilen einer verunglückten Air-France-Maschine im Atlantik beteiligt. Mithilfe von Unterwasserfahrzeugen suchten die Wissenschaftler den Meeresboden weitläufig ab. Sein aktuelles Projekt führt ihn im Januar nächsten Jahres ins Rote Meer. Dort wird die Beckenstruktur des Meeresbodens untersucht, um festzustellen, ob es ein Erzvorkommen gibt.

Am besten gefällt ihm an seinem Beruf, dass er Hobby und Beruf verbindet. Aber auch die wissenschaftlichen Forschungsreisen und die Vielseitigkeit der Projekte begeistern ihn. Sein bisher interessantestes Projekt dauerte sechs Jahre lang und hatte die Erforschung von heißen Quellen zum Ziel. Petersen arbeitete dabei eng mit Wissenschaftlern aus anderen Fachrichtungen zusammen. „Es ist ein immenser Wissensgewinn, denn man schaut über den eigenen Fachhorizont hinaus“, erzählt er. (tl)

Auswertung der Untersuchungsergebnisse.

 

Info Mineraloge

Ausbildungsinfo

Das Studium des Faches Mineralogie ist an den meisten Universitäten möglich. Einige Universitäten bieten noch Studiengänge im Fach Mineralogie mit dem Abschluss „Diplom“ an. Weitgehend hat sich jetzt jedoch die „Bachelor of Science“ – beziehungsweise „Master of Science“ – Struktur für die geowissenschaftlichen Studiengänge durchgesetzt. Die Mineralogie wird meist nicht mehr als eigenständiger Studiengang geführt, sondern als Vertiefungsrichtung oder Kernfach bei den Geowissenschaften. Voraussetzung ist das Interesse an Naturwissenschaften, besonders Mathematik, Physik und Chemie. Nach Beendigung des Studiums besteht die Möglichkeit zur Promotion.

Mineralogen arbeiten überwiegend in der Rohstoff verarbeitenden Industrie, daneben gibt es auch Tätigkeitsfelder im Umweltschutz, im Bergbau oder an Hochschulen sowie Forschungsinstituten und in Ingenieurbüros.

Informationen zum Studium gibt es auf den Internetseiten der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (www.dmg-home.de/mineralogie_studium.html) oder bei den Universitäten.